Herausforderungen und Lösungen für die Kunststoffverarbeitende Industrie
Durch den zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen stellen sich neue Fragen und Herausforderungen an das Risikomanagement. Dies betrifft auch die Unternehmen der Kunststoffverarbeitenden Industrie. Eine gründliche Prüfung des aktuellen Versicherungsschutzes bei Pilotierung, Projektierung und Nutzung von KI ist dringend angeraten, um fehlenden oder nicht ausreichenden Versicherungsschutz zu vermeiden. Die fundierte Analyse durch einen kompetenten Berater kann Abhilfe schaffen.
Die Kunststoffverarbeitende Industrie ist mit einem Jahresumsatz von 72,5 Mrd. Euro und 319.264 Beschäftigten in 2.997 Betrieben einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Deutschland [1]. Die Anwendung von KI in deren Systemen nimmt auch in dieser Branche Fahrt auf und hält – über den Einsatz von Pilot-Projekten hinaus – zunehmend Einzug in den Alltag.
Dabei gibt es fünf Bereiche, in denen der Einsatz von KI zum Tragen kommt [2]:
- Prozessoptimierung
(Energieverbrauch und Ausschuss reduzieren) - Materialentwicklung
(simulationsgestützte Designverfahren und Identifikation optimaler Materialeigenschaften) - Qualitätskontrolle
(frühzeitiges Auffinden von Fehlern oder Unregelmäßigkeiten in Kunststoffprodukten) - Produktionsplanung und -management
(Verbesserung der Nachfrageprognosen, Optimierung von Lieferketten und Lagerbeständen) - Abfallmanagement
(Sortierung und Identifizierung von Kunststoffabfällen durch lernende Bilderkennungstechnologien)
Hintergründe, Ziele und Herausforderungen
Hintergrund und Ziele des Einsatzes von KI sind dabei insbesondere die Steigerung von Qualität, Kosteneffizienz und Geschwindigkeit, der Ersatz von zunehmend fehlenden Fachkräften sowie der Erhalt und die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.
Neben den bekannten Herstellern von Spritzguß-Maschinen und Anbietern von Simulations-Software haben in den letzten Monaten weitere Software-Anbieter mit neuen Produkten und Anwendungen der KI in der Kunststoff-Branche auf sich aufmerksam gemacht Zwei Unternehmen aus diesem Kreis sind z.B. Osphim und plus10.
Bei dem Einsatz von KI stellen sich einige neue Herausforderungen, die bei der Risikobetrachtung von besonderer Relevanz sind. Dazu zählen u.a.:
- Datenmissbrauch und Datendiebstahl
- Fehleranfälligkeit und „KI-Bias“
- Einsatz der KI außerhalb trainierter Bereiche
- Ethische Werte bei Handlungsempfehlungen
- Unlauterer Wettbewerb
- Verletzung von geistigem Eigentum
- KI-generierte Ergebnisse sind i.d.R. nicht deterministisch, d.h. im Schadenfall (forensisch) nicht eindeutig auf einen Kausalzusammenhang zurückzuführen
Grauzonen und Neuland für Versicherer
Die neuen Situationen erfordern unter anderem bei Sach-Schäden und der Haftung im Schadenfall einen neuen Blick auf den Versicherungsschutz dieser Risiken – also die Prüfung, ob ein Risiko-Transfer auf einen Versicherer möglich, in einer aktuellen Police bereits abgedeckt oder noch zu vereinbaren ist.
Auch für Versicherer ist dieser Bereich ein Stück weit „Neuland“ oder „Grauzone“. Wir erwarten, dass die Versicherer Ihre aktuellen Versicherungsbedingungen künftig in Bezug auf kausale Schäden durch KI prüfen und anpassen werden. Dabei ist die aktuelle Regulierung (z.B. der sog. EU AI Act [3] wie auch DORA [4]) ein wesentlicher Treiber, und die Versicherer werden entsprechende Obliegenheiten sowohl für Anbieter wie auch Nutzer von KI-Anwendungen definieren.
Auch neue Versicherungsprodukte sind bereits auf dem Markt, z.B. die Absicherung monetärer Risiken bei Leistungseinbruch einer KI.
Anhand der folgenden zwei Beispielen wird auf die Besonderheiten beim Versicherungsschutz (klassische Versicherungsbedingungen) bezüglich des Einsatzes einer KI eingegangen.
Kein Versicherungsschutz bei Standard-Sachversicherungen
Ausgangslage und Einsatz der KI im Fertigungsprozess:
| Ausgangslage | Einsatz der KI im Fertigungsprozess |
| Schadenfall | Die fehlende Festigkeit bei dem hergestellten Produkt bedeutet Sachschaden an der Ware und führt in der Folge zu einem Betriebsunterbrechungsschaden. |
| Schadenursache | KI-bedingter Fehler im Fertigungsprozess |
| Versicherungsschutz | Klassische Sach- und Betriebsunterbrechungsversicherungen mit benannten Gefahren und inkl. des Bausteins “Allgefahren-Versicherung” |
| Würdigung | Prüfungsreihenfolge:
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Haftpflicht-Versicherung und KI-Einsatz | Auf- und Anpassen
Ausgangslage und Einsatz der KI im Materialeinsatz:
| Ausgangslage | Einsatz der KI im Materialeinsatz |
| Schadenfall | Die im Produktionsprozess eingesetzte KI baut selbständig Wissen auf bzw. entwickelt sich weiter und verändert zur Produktion erforderliche Rezepturen. Folge: fehlende Festigkeit bei dem hergestellten und bereits ausgeliefertem Produkt |
| Schadenursache | KI-bedingter Fehler im Fertigungsprozess |
| Versicherungsschutz | Klassische Betriebs- und (erweiterte-) Produkthaftpflichversicherung |
| Würdigung | U. a. bezogen auf die “Erprobungsklausel” und deren Auslegung im Schadenfall werden Probleme beim Versicherungsschutz entstehen. Damit bestünde kein Versicherungsschutz zur Befriedigung berechtigter und Abwehr unberechtigter Ansprüche. Folge: In klassischen Haftpflicht-Versicherungen ist der Versicherungsschutz zumindest fraglich, eher nicht gegeben! Ausblick zur Haftung nach kommenden EU-Recht:
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Fazit
Zusammenfassend lassen sich folgende Empfehlungen und Tipps formulieren:
- Halten Sie die Datenschutzbestimmungen ein, wenn KI-Systeme mit internen oder öffentlichen Daten trainiert werden.
- Prüfen Sie die Haftungsregelungen der Anbieter von KI-Anwendungen, um festzustellen, wer im Schadenfall verantwortlich ist und Haftung übernimmt. Denn oft ist die Haftung ausgeschlossen, so dass die Verantwortung für die Entscheidung und den daraus erhofften Nutzen beim Anwender der KI-Anwendung liegt.
- Aktualisieren Sie Ihren Versicherungsschutz, wenn die Risiken und Schäden bei Einsatz von KI nicht enthalten sind. Dies betrifft vor allem die Cyber- und Haftpflicht-Versicherung.
- Denken Sie auch an die Risiken aus der Organhaftung und die Risiken durch Vertrauenspersonen. Lassen Sie die D&O-Versicherung aktualisieren oder aber sich zu den Absicherungsmöglichkeiten und Abgrenzungen zu Cyber- und gegebenenfalls einer D&O-Versicherung ausführlich beraten.
- Ziehen Sie zur Prüfung Ihrer Versicherungspolicen einen externen Berater hinzu.
Als Versicherungsmakler mit Fokus auf den Mittelstand der Kunststoffverarbeitenden Industrie bietet die BEST GRUPPE auch zu diesen Fragen ihre Unterstützung an.
Kontaktieren Sie uns gerne jederzeit!
Ihre Kontaktpersonen

Dr. Burkhard Zimmermann
Mitglied der Geschäftsführung
+49 211 33999-332
burkhard.zimmermann@bestgruppe.de
Quellen
[1] https://www.gkv.de/de/ueber-uns/
[2] www.k-online.de/de/k-mag/kuenstliche-intelligenz/ki-kunststoffindustrie-nachhaltigkeit
[3] Gesetz über künstliche Intelligenz oder auch KI-Verordnung, https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/policies/regulatory-framework-ai
[4] Digital Operational Resilience Act, Verordnung (EU) 2022/2554 und Richtlinie (EU) 2022/2556
[5] https://www.gkv.de/de/service/presse/gkv-begruesst-den-versicherungsmakler-best-gruppe-als-neuen-partner.html
Über die BEST GRUPPE:
Die BEST GRUPPE ist ein in Düsseldorf ansässiger, bundesweit tätiger Versicherungsmakler. In 2010 gegründet, gehört das Unternehmen heute zu den größten, eigenständigen, inhabergeführten Maklerhäusern in NRW. Die BEST GRUPPE in Zahlen: 75 Mitarbeitende, 18 % jährliches Wachstum in den letzten acht Jahren, > 2.000 Firmen-Kundinnen und Kunden, 95 % Firmenkunden-Geschäft. Die BEST GRUPPE ist u.a. Spezialmakler für Kunststoffverarbeitende Unternehmen und als exklusives Fördermitglied des Gesamtverbandes der Kunststoff Verarbeitenden Industrie e.V. (GKV) und dessen Trägerverbänden (IK, pro-K, FSK, AVK) aktiv [5]. Weiterhin ist der Versicherungsmakler Mitglied in den Netzwerken KIMW, SKZ und kunststoffland NRW.
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