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Digitalisierung: Warum sind wir noch nicht weiter?

In der Spotlight Veranstaltung 2019 in Köln hatten viele Teilnehmer angemerkt, dass sie glauben, bestimmte Dinge seien digital nicht abbildbar oder aber dass sie gerne digitalisieren würden, ihnen aber die Rechtsgrundlage dafür fehlt. Im Ausland sieht das oft ganz anders aus. Wir haben daher unseren Moderator und Professor der Betriebswirtschaftslehre Thorsten Krings gefragt, warum die Digitalisierung in Deutschland oft so schleppend vorangeht.

Zum einen ist das sicherlich ein kulturelles Problem. Deutschland hat eine Kultur der Unsicherheitsvermeidung, d.h. wir haben an vielen Stellen mehr Angst vor den negativen Konsequenzen des Neuen, als dass wir die Chancen sehen. So hat eine kleine Studie gezeigt, dass alle Befragten digitale Bewerbungsgespräche sehr positiv fanden. Fast alle Befragten sagten aber auch, dass sie technisch schon lang in der Lage gewesen wären, dies umzusetzen. Man hätte aber einfach nie die Notwendigkeit dazu gesehen. Diese Kultur der Unsicherheitsvermeidung spiegelt sich zum einen im Handeln von Unternehmen und Unternehmern wider. Zum anderen aber zeigt sich auch in der Politik, dass eben oft die Notwendigkeit zur Veränderung von Rahmenbedingungen nicht gesehen wird.

In der Diskussion der Spotlight Veranstaltung 2019 war der Konsens, dass man davon ausgeht, dass die nächste WEMOG-Novelle hier Rechtssicherheit für Verwalter schafft. Wir wissen nun, dass dieses Gesetz in Bezug auf Digitalisierung sicher nicht der erwartete große Wurf war. Aber der wichtigere Punkt ist, dass Digitalisierung nicht das reine Umsteigen auf eine computergestützte Umsetzung ist. Wenn man ineffiziente Prozesse nun digital abbildet, hat man wenig gewonnen. So können Schnittstellen zu Kunden und Mitarbeitern nun vollkommen anders gestaltet werden, aber auch Planungen von Prozessen und Projekten können deutlich effektiver geplant und umgesetzt werden. Dadurch verändern sich auch die Rollen der handelnden Personen. Ganze Prozessschritte können nun wegfallen. Aber gleichzeitig stellt die Digitalisierung gerade kleine und mittelständische Unternehmen auch vor große Herausforderungen.

Nicht wenigen Unternehmen fehlt eine ganzheitliche Strategie. Man beginnt mit einzelnen Themen, weil diese vielleicht einfach umsetzbar sind, stellt sich aber nicht die Frage, welche Gesamtstrategie man verfolgt. Hier muss klar geplant werden, was man erreichen will und welche Kosten- / Nutzenrelation dahintersteht. Man muss an dieser Stelle auch entscheiden, ob man denn alles machen muss, was man machen kann, oder ob es nicht wesentlich sinnvoller ist, sich wirklich auf die funktionalen Notwendigkeiten zu beschränken. Digitalisierung ist kein Selbstzweck.

Gleichzeitig muss aber auch priorisiert werden, denn Digitalisierung findet in Projekten statt, die parallel zum Tagesgeschäft ablaufen. Nicht jedes Digitalisierungsthema bringt für das Unternehmen den gleichen Nutzen. Hier geht es zunächst darum, wie man mit möglichst geringem Aufwand möglichst viel erreichen kann. Die Priorisierung ist auch aus psychologischer Sicht wichtig, denn je mehr Nutzen Mitarbeiter und Kunden erleben, desto offener werden sie dem Prozess der Digitalisierung gegenüberstehen.

Man wird aber auch einen Spagat zwischen Individualität und Standards erleben. One-size-fits-all Lösungen gibt es bei der Digitalisierung nicht; für jeden Prozess müssen Steuerungs- und Regelsysteme entwickelt werden. Vor allem führt die Digitalisierung auch dazu, dass grundsätzlich in der Dimension Prozess gedacht wird und nicht mehr in Funktionsbereichen. Das ist für das Unternehmen zunächst sehr positiv, weil dadurch zwangsläufig effizienter gearbeitet wird, wenn die Verantwortung nicht mehr vor der Bürotür endet. Aber das verlangt vom Unternehmen, transparent mit Informationen umzugehen und eine andere Arbeitsweise, d.h. mehr Eigenverantwortung, von den Mitarbeitern. Hier alle mitzunehmen und zu befähigen, wird eine große Herausforderung sein. Das wird vor allem auch für die IT-Abteilung gelten, die wesentlich agiler arbeiten müssen als bisher und sich vor allem auch als Partner in der Digitalisierung von Prozessen begreifen müssen. Die Geschwindigkeit der Digitalisierung und auch die Versäumnisse der letzten Jahre in vielen Unternehmen fordern eine Abkehr von traditionellen Methoden des Projektmanagements und eine Orientierung an agilen Methoden wie Scrum. Das stellt sowohl an die Organisation wie auch an die darin arbeitenden Menschen große Herausforderungen.

Wer also glaubt, er kann durch die Digitalisierung nur Personalkosten sparen, der greift deutlich zu kurz. Wir müssen Arbeit neu erfinden. Mitarbeiter und Kunden werden andere Rollen wahrnehmen. Wir werden anders zusammenarbeiten und vor allem auch anders führen müssen.

Mehr Informationen zum Thema Digitalisierung und die Möglichkeit zum direkten Dialog mit Thorsten Krings sowie weiteren Experten gibt es für Verwalter:innen auf der Spotlight-Veranstaltung „Digitalisierungsgrad, Prozesseffizienz, Unternehmenswert – Quick Wins für Verwalter:innen“ am 31. August 2021 im Jagdschloss Platte in Wiesbaden. >> Hier geht es auf direktem Weg zur Anmeldung. Die Teilnahme ist kostenfrei!

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